Lesen lernen in Nepal

Die Bewohner des Distriktes Dolpa im Norden Nepals haben durch die geografische Lage ihrer Heimat mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die dünn besiedelte Region liegt zwischen 1.525 und 7.625 Metern Höhe. Da es kaum befestigte Straßen gibt und die wenigen Geröllpisten an steilen Klippen und über große Höhenunterschiede hinweg verlaufen, dauert es durchschnittlich zwei bis vier Stunden, um von einer Siedlung zur nächsten zu gelangen. Viele der insgesamt 36.700 Bewohner der Region müssen im Winter ihre Häuser verlassen, um der Kälte und dem starken Schneefall in den Bergen zu entgehen. In dieser Zeit leben sie in tieferen Lagen.

Eine Folge der harten Lebensbedingungen ist die schlechte Bildungssituation in Dolpa. Mehr als 55 Prozent der Frauen und fast 30 Prozent der Männer sind Analphabeten. Die Bildungseinrichtungen der Region sind in einem schlechten Zustand: Vorschulen sind überfüllt und oft müssen die Kinder unter freiem Himmel auf dem Boden sitzen. Die Lehrkräfte sind schlecht ausgebildet und es gibt kaum Lernmaterialien und Spielzeug für die Kinder. An den Grundschulen zeigt sich eine ähnliche Situation: Mit einer durchschnittlichen Auslastung von 124 Prozent sind die Klassenräume überfüllt. Ein konzentriertes Lernen ist für die Kinder so kaum möglich und viele können die Anforderungen nicht erfüllen. Weniger als zwei Drittel der Kinder schaffen die erste Klasse. Fast 20 Prozent der Mädchen und 15 Prozent der Jungen brechen die Schule sogar noch während des ersten Schuljahres ab.

Die intensive Förderung der Lesekompetenz ist ein besonders wichtiger Teil qualitativ hochwertiger Bildung. Gerade die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben stellt eine Schlüsselqualifikation dar und ist Grundlage aller anderen Schulfächer. Lernen Mädchen und Jungen in den ersten Schuljahren lesen und schreiben, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit eines Schulabschlusses. Eine große Herausforderung für die Kinder in Dolpa ist es, dass sie in der Grundschule auf Nepali, der offiziellen Amtssprache Nepals, lesen lernen. Für viele Kinder ist dies jedoch nicht die Muttersprache. Es fällt ihnen schwer gleichzeitig eine neue Sprache und das Lesen zu erlernen. Um die Lesekompetenz der Kinder von Beginn an zu stärken, sollten sie bereits im Vorschulalter auf ihrer Muttersprache lesen lernen. Wenn sie mit ihrer Muttersprache sicher umgehen können, fällt es ihnen leichter Verbindungen zwischen Sprachen aufzudecken und unterschiedliche Bedeutungen leichter zu verstehen. Dadurch erlernen sie im Grundschulalter einfacher Nepali und später eventuell auch Englisch als weitere Fremdsprache.

Durch Verbesserungen im Bildungsumfeld lernen insgesamt 250 Vorschulkinder und 750 Schulkinder aus der 1. bis 3. Klasse besser Lesen. Dazu arbeitet Plan gemeinsam mit der lokalen Bildungsbehörde und den Familien an der Verbesserung der Vorschuleinrichtungen sowie der Ausstattung der Grundschulen mit Lernmaterialien. Außerdem werden Grund- und Vorschullehrkräfte in kindgerechten Unterrichtmethoden fortgebildet. Auch die Eltern werden stärker in den Lernprozess ihrer Kinder eingebunden. Neben den insgesamt 1.000 Kindern profitieren von den Projektaktivitäten 120 Lehrkräfte und 200 Mitglieder von Schulkomitees, lokalen Nichtregierungsorganisationen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von lokalen Behörden.