Danke Ulrich Wickert – ein offener Brief

Lieber Ulrich Wickert,

beim Abendessen im Restaurant „Die Schule“  hatte ich mich nur kurz vorgestellt, aber nicht die Gelegenheit gehabt Ihnen mitzuteilen, was die Nominierung für den Peter Scholl-Latour Preis für mich bedeutet hat.

Abgesehen davon, dass Peter Scholl-Latour schon seit meiner frühen Jugend mein Vorbild war und die Nominierung allein deshalb eine Ehre für mich ist, sendet dieser Preis ein wichtiges Signal für meine Kollegen und mich. Unsere Themen bekommen in der breiten Öffentlichkeit unverhältnismässig wenig Aufmerksamkeit. Die Inhalte der Beiträge sind oft erschütternd und unangenehm, aber sie sind eben auch echt und wichtig, da sie unser Leben beeinflussen können und werden. Die Ulrich Wickert Stiftung macht Mut auch freiberuflich weiter zu machen.

Am meisten freut mich die Nominierung allerdings für meine Protagonistin Mama Masika. Diese Frau hat das schlimmste Schicksal erleiden müssen. Trotz Massenvergewaltigung und einem unvorstellbaren Verbrechen namens „forced cannibalism“, zog sie sie nicht zurück, sondern half tausenden anderen Opfern. Sie kümmerte sich um die vergewaltigten Frauen und deren Kinder, die aus den Vergewaltigungen stammen. Mama Masika brach ein Tabu, indem sie die Täter beim Namen nannte.

Mehrere Mordversuche sollten ihr den Mund stopfen, doch Mama Masika hat weiter gegen eine verheerende Tradition gekämpft. Sie hat angefangen die Täter und nicht nicht mehr die Opfer zu stigmatisieren.

Leider ist Mama Masika mittlerweile verstorben. Doch durch die Nominierung zum Peter Scholl-Latour Preis konnte ich ihr posthum Gerechtigkeit widerfahren lassen. Es ist ihr später Triumph über die Täter. Sie haben es nicht geschafft, Mama Masika zum Schweigen zu bringen.

Dafür möchte ich Ihnen herzlich danken.

Beste Grüße,

Julia Leeb

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